Über KI allgemein und vor allem auch ChatGPT wird ja zur Zeit allerorten geredet. Zum Teil wird die sogenannte KI als ein weiterer riesen Schritt in der digitalen Welt gesehen, und oft auch als Anfang des Ende des kultivierten Lebens dargestellt.
Das soll hier garnicht vertieft werden. Statt dessen wird hier ein konkretes Beispiel gezeigt für das, was mit ChatGPT jetzt einfach machbar ist, und welche Wirkung das auf uns haben könnte.
Dazu betrachte man zuerst diesen (noch fiktiven) Wikipedia-Artikel mit dem Namen „Der Fünfzehner“:
Fünfzehner
Der Fünfzehner bezeichnet eine Kurzpause von 15 Minuten, die traditionell im Handwerk, insbesondere im norddeutschen Raum, praktiziert wird. Diese Pause dient als fester Bestandteil des Arbeitsalltags und spiegelt eine historisch gewachsene Praxis wider, die sich als Reaktion auf die Industrialisierung und die damit einhergehende Verdichtung der Arbeitszeiten in der Industrie entwickelte.
Ursprung und Entwicklung
Die Einführung des Fünfzehners kann als direkte Reaktion auf die zunehmende Strukturierung und Reglementierung der Arbeitszeiten während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verstanden werden. Während in Fabriken strenge Zeitvorgaben und Schichten eingeführt wurden, suchte das Handwerk Wege, um die Autonomie und Flexibilität der Arbeitsgestaltung zu bewahren. Die Pause von 15 Minuten bot eine Möglichkeit, die Arbeitsintensität zu regulieren und dabei den Arbeitern eine kurze Erholung zu ermöglichen.
Kulturelle Bedeutung
In vielen Handwerksbetrieben ist der Fünfzehner mehr als nur eine Pause; er ist ein Ausdruck von Tradition und gemeinschaftlicher Praxis. Diese Pausen werden oft genutzt, um soziale Kontakte zu pflegen, Wissen auszutauschen und die Gemeinschaft innerhalb des Betriebs zu stärken. In einigen Regionen wird die Pause zudem genutzt, um gemeinsam Kaffee zu trinken oder kleine Snacks zu essen.
Gegenwärtige Praxis
Auch heute ist der Fünfzehner in vielen Handwerksbetrieben fest etabliert. Trotz der fortschreitenden Modernisierung und dem Einfluss industrieller Arbeitsweisen hat die Pause ihre Bedeutung behalten. Sie dient nicht nur der Erholung, sondern auch der Pflege des sozialen Miteinanders und der Aufrechterhaltung einer Arbeitskultur, die stark von persönlichen Beziehungen und gegenseitigem Respekt geprägt ist.
Zusammenfassung
Der Fünfzehner stellt somit ein bedeutendes kulturelles Erbe dar, das die Werte und Traditionen des Handwerks reflektiert. Er zeigt, wie historische Arbeitspraktiken sich an neue ökonomische und soziale Bedingungen anpassen können, ohne ihre essentiellen Charakteristika zu verlieren.
Sicher werden Sie denken: „Oh ja, ein informativer Artikel, der auf geschichtlichen Fakten basiert und von einer forschenden Person zusammengetragen wurde, die die Arbeiterbewegung und ihre Kuturgeschichte zu kennen scheint. Er ist sprachlich auf einem ordentlichen Niveau und sicherlich eine Bereicherung der Wikipedia. Bestimmt war es ein bisschen aufwändig, diesen Artikel zu schreiben. Vielleicht zollen Sie der Autorin etwas Anerkennung im Stillen.
Nach der Lektüre besteht kein Zweifel mehr daran, was „ein Fünfzehner“ ist, und dass wir ihn vielleicht auch öfter in unser Leben integrieren sollten, um stabile, gesunde und erfüllende Arbeitsverhältnisse zu pflegen.
Die Geschichte hinter diesem Artikel stellt sich jedoch anders dar.
Die einzige Person, die ich je von einem „Fünfzehner“ habe sprechen hören, war meine liebe Mutter. Sie machte gern mal einen Fünfzehner, in dem sie dann eine angemessene Menge Kaffee und HBs konsumierte, bevor sie nach mehr oder weniger genau fünfzehn Minuten wieder ihrer Tätigkeit nachging.
Als ich dann einen Kollegen zu einem ebensolchen Fünfzehner aufforderte, musste ich ihm diese Geschichte erzählen, denn er hatte noch nie vom Fünfzehner gehört. Dazu kamen einige weitere Fakten wie dass Muttern einem handwerklich bürgerlichen Milieu Hamburgs enstammte und einige Jahre in einem großen Handwerksbetrieb im Büro gearbeitet hatte.
Der Kollege, immer interessiert an den Möglichkeiten, die ChatGPT eröffnet, hat daraufhin den oben gezeigten Artikel mit ChatGPT zusammen erstellt. Seiner Aussage nach hat das nicht länger als eine Minute gedauert und erforderte keine weitere menschliche Überarbeitung.
Diese einfache Beispiel zeigt, was mit dieser Technologie möglich ist. Ob intelligent oder nicht, dieses sprachgewandte Helferlein ermöglicht es uns, mit einigen wenigen Interaktionen solche elaborierte Texte zu vielen Themen zu erstellen. Dabei sind die Texte weder schlecht recherchiert, noch offensichtlich falsch oder wirken komplett synthetisch.
Trotzdem muss die Idee zu einem Text immer noch von einem Menschen kommen und zusammen mit einigen eingrenzenden Fakten an den Algorithmus übergeben werden. Es ist also weiterhin ein Mensch, der hier weitgehend bestimmt was geschrieben wird.
Aber es wird einfacher, halbwegs ordentliche Texte zu erstellen mit dieser Technologie, und was einfach ist, wird schnell als Standard erwartet. Übertragen auf das Thema dieses Blogs würde das vielleicht heissen, dass die Qualität von Texten in Angeboten besser werden muss, weil das die Erwartung der Kunden wird. Es lohnt sich also, sich jetzt mit dieser Technologie auseinanderzusetzen und zu lernen, wo sie einem persönlich nützen kann. Ob das nun mit ChatGPT oder einer anderen, KI gestützten Technologie passiert, ist erstmal zweitrangig.
Andererseits heisst das natürlich auch, dass die Menge an Informationen aller Arten schnell weiter zunehmen wird. Die schiere Menge macht es komplizierter, Sinnhaftigkeit oder gar Wahrheit zu beurteilen. Was massenhaft verfügbar ist, wird auch weniger wert.
Ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns mit diesen Wirkmechanismen alle auseinandersetzen.
Ach ja, und wenn Sie den Ausdruck „einen Fünfzehner machen“ ebenfalls kennen, lassen Sie es mich bitte wissen 😉



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